Dieses Blog durchsuchen

Dienstag, 13. September 2016

Modelleisenbahn wohin gehst Du?

Diese Frage stellte sich uns gestern bei einem Besuch in Deutschland in Angesicht eines interessanten Gespräches mit einem alt eingesessenen Modelleisenbahnhändler, welcher seit mehreren Jahrzehnten die Szene in und auswendig kennt. Er bekannte ganz freimütig, dass ihm mehr oder weniger die Kunden weg sterben und keinerlei Nachwuchs in Sicht ist. Ist es doch schon lange in der Szene ein steinalter Hut, dass mittlerweile die Maße der Modellbahner 50 Jahre und älter ist. Da kann man sich schnell ausrechnen, wie das in 10, 20 oder 30 Jahren ausehen wird, wenn kein Nachwuchs kommt.

Aus unserer Sicht hat diese Entwicklung weniger mit der Tatsache mehr und mehr beliebter werdender Computerspiele zu tun, sondern dem Umstand, dass daran die Modelbahnhersteller selbst Schuld haben. Sie und niemand anderes gruben sich mit ihrer Modellpolitik der letzten Jahrzehnte selbst das Wasser ab und das nicht zu knapp. Während noch Anfang der 1990er eine Modelleisenbahn auch immer eine Wertanlage war, sind diese Zeiten schon lange vorbei. Wer also damals sein erspartes in eine Modelleisenbahn investierte, der hatte wahrlich einen doppelten Gewinn! Er und natürlich auch wahlweise sie frönte einem sehr schönen Hobby und gleichzeitig war erspartes sinnvoll angelegt. Dies geht heute schon lange nicht mehr!

Auf der einen Seite stehen heute überteuerte Modelle, die im Regelfall aber zu Dumpinglöhnen irgendwo in Asien vom Band fallen. Auf der anderen Seite steht der Modelleisenbahn interessierte Kunde, der ganz genau weiß, dass er mindestens 2.000 Euro benötigt, um überhaupt sinnvoll eine Modelleisenbahnanlage aufbauen zu können und damit die Modelleisenbahn den Rahmen eines üblichen Hobbys schon lange sprengt. Mal eben so einen schicken Waggon kaufen, den die Oma vielleicht dem Enkel mal so quasi nebenbei schenkt, das geht heute schon lange nicht mehr :-( Für einen Waggon brauchen Sie mindestens 20 oft 50 Euro und eine Lok für unter 100 Euro zu bekommen, ist heute quasi unmöglich.

Geschuldet ist dies der Unternehmenspolitik vieler Modelleisenbahnhersteller, die dann mittlerweile echte Stilblüten treibt. So versucht momentan bspw. ein Hersteller nur die Fahrwerke, also ohne Gehäuse an den Mann bzw. die Frau zu bringen, weil sehr wahrscheinlich niemand mehr seine eben überteuerten Lokomotiven in Gänze kaufen mag.

So etwas war zu Zeiten als die Modelleisenbahn laufen lernte und bis weit in die 1990er Jahre hinein in Ost wie West undenkbar. Natürlich konnte man auch damals schon viele tausende von Mark in eine Modelleisenbahn investieren. Es war aber eben auch möglich, dass man mit einigen wenigen hundert Mark eines der schönsten Hobbys dieser Welt betreiben konnte und eben auch noch das Basteln im Mittelpunkt stand. So ist es eben auch der Reiz einer analogen Modelleisenbahnanlage, selbst Schaltungen auszuknobeln, bei der wie beim Vorbild ganze Fahrstrassen automatisch geschaltet werden können. Dazu bedarf es keiner oft überteuerter digitaler Modelleisenbahn!

Damit wieder zurück zu eingangs gestellter Frage: Sehr wahrscheinlich wird es so sein, dass die Modelleisenbahn in den nächsten Jahren mehr und mehr ein Nischendasein führen wird. Dies wird über kurz oder lang auch die Hersteller treffen und so makaber dwie traurig dies klingen mag: Dies ist gut so! Wer so über Jahrzehnte hinweg mit seiner eigenen Kundschaft umgeht, der hat es nicht anders verdient.

Parallel dazu wird der Handel mit gebrauchten Modelleisenbahnartikeln wachsen und damit die Modelleisenbahn wieder zu einer Wertanlage werden. Wenn man sich allein heute die Preise ansieht, die für Modelleisenbahnartikel aus der DDR gezahlt werden, dann ist dies gut nachvollziehbar. Waggons die bspw. in der DDR zwischen fünf und zehn Mark der DDR kosteten, werden heute oft für fünf oder gar zehn Euro gehandelt. Fünf Mark der DDR entsprachen am 01.07.1990 2,50 DM. 2,50 DM entsprechen über den Daumen rund 1,25 Euro.

Allerdings muss diese mögliche Wertsteigerung nicht zwingend auf digitale Modelle zutreffen, die nach 1990 in den Markt kamen. Dies erklärt sich daraus, dass man schon heute nicht sicher sagen kann, ob diese Modell langfristig auf Grund elektronischer Steuerung noch fahrtüchtig sein werden. Zu groß das Risiko, dass sich die verbauten Speicherbausteine mit der Zeit selbst löschen und dann die einst ach so schöne digitale Lok nur noch wertlos in der Vitrine steht. Dies kann Ihnen aber weder mit Modelleisenbahnen Made in GDR noch anderer vieler vor 1990 hergestellter Modelleisenbahnen passieren. Denn diese fahren analog und analoger Fahrbetrieb geht immer!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen